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Immaterielles Kulturerbe des Landes Nordrhein-Westfalen
28.11.2013

Bewerbung um Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Auf dem Foto finden Sie folgende Pers. v. l. n. r.: Wilm Lürken, Peter Brust, Marcel Beyersdorf, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Michael Laumen, Christoph Kuckelkorn, Ralf Birkner, Marlies Stockhorst, Josef Hinkel. (Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer)

Auf dem Foto finden Sie folgende Pers. v. l. n. r.: Wilm Lürken, Peter Brust, Marcel Beyersdorf, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Michael Laumen, Christoph Kuckelkorn, Ralf Birkner, Marlies Stockhorst, Josef Hinkel. (Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer)

Festkomitee Kölner Karneval, Festausschuss Bonner Karneval, Comitee Düsseldorfer Carneval und FestAusschuss Aachener Karneval überreichen offiziell die Bewerbung um Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes „Rheinischer Karneval“ an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft

Höchst persönlich nahm NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Donnerstagmittag die Bewerbung um Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes entgegen. Unter dem Titel „Brauchkomplex, Tradition, Kulturgut „Rheinischer Karneval“ mit all seinen lokalen Varianten“ reichten die Vertreter des FestAusschuss Aachener Karneval e.V., Festausschuss Bonner Karneval, Comitee Düsseldorfer Carneval e.V. und des Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e.V. den Antrag für das Land Nordrhein-Westfalen ein. Ziel ist die Aufnahme als "Immaterielles Kulturerbe“ bei der UNESCO.

„Der Karneval ist einer unserer schönsten Bräuche und fröhlichsten Volksfeste“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Entgegennahme der gemeinsamen Bewerbung. „Er hat viele Facetten, aber immer ist Lebensfreude das verbindende Element.“ Die Ministerpräsidentin betonte, dass sie sich persönlich über den Antrag der Karnevalisten aus Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln freue. Sie verwies darauf, dass eine Landesjury über die Bewerbungen entscheide, die für die deutsche Liste an die UNESCO gemeldet würden. „Natürlich wollen wir der Entscheidung der Jury nicht vorgreifen, aber wenn der Antrag Erfolg hat, wäre das auch eine verdiente Wertschätzung für das große ehrenamtliche und soziale Engagement aller Beteiligten.“

Der Karneval ist ein echtes Volksfest, das im Rheinland seit Jahrhunderten gefeiert wird. In allen sozialen Schichten und Altersgruppen ist der Karneval wie eine Klammer, die die Menschen zusammenhält. Migration und Inklusion von denen, die oft gesellschaftlich abseits stehen, werden im Karneval selbstverständlich gelebt. Die Umsetzung des Festes hat unglaublich viele Facetten, mit regionalen Prägungen und tiefer Historie. Der Karneval ist ein echtes Volksfest, das im Rheinland seit Jahrhunderten gefeiert wird. In der reichen Städtelandschaft entstanden aus den bis ins Mittelalter zurückreichenden Bräuchen Anfang des 19. Jahrhunderts der bürgerliche Karneval mit einem zentralen Umzug, mit dem Prinzen Karneval als Personifizierung des Frohsinns und anderen Festelementen, die bis heute in nahezu unveränderter Form in weiten Teilen Deutschlands organisiert werden. Die vier Städte verweisen in Ihrer gemeinsame Bewerbung auch auf ihre jeweiligen Schwerpunkte:

  • So haben zum Beispiel in Aachen nicht nur der in der Bundesrepublik einzigartige Kinderkarneval mit dem großen Umzug als Höhepunkt am Karnevalssonntag oder der närrische Staatsakt mit der Verleihung des Ordens „WIDER DEN TIERISCHEN ERNST“ sondern auch die geografische Lage im Dreiländereck, und damit die Verbindung zu den belgischen und niederländischen Karnevalsfreunden eine ganz besondere Bedeutung.
  • Als kurfürstliche Residenzstadt erlebte Bonn schon im 18. Jahrhundert prachtvolle Maskenbälle und Umzüge, die sich auch auf den bürgerlichen Karneval ab 1826 auswirkten. Besondere Bedeutung kommt dem Bonner Karneval darüber hinaus mit der einzigartigen Weiberfastnacht der Beueler Wäscherinnen ab 1824 sowie spezifischen Festformen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Hauptstadt-charakter zu.
  • In Düsseldorf freuen sich die Jecken alljährlich auf das „Hoppeditz-Erwachen“ zum Auftakt der Session. Die politisch ambitionierten Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontagszuges finden herausragende Beachtung.
  • Der Kölner Karneval wirkte sich – insbesondere nach seiner Reformation 1823 - mit seinen Bräuchen prägend für das Brauchtum im gesamten Rheinland aus. Der Kölner Rosenmontagszug zählt zu den größten Volksfestumzügen Europas, die Musik und der Tanz im Kölner Karneval genießen ein besonderes Ansehen.

Zitat Markus Ritterbach: „Wir sind überzeugt gemeinsam mit den Komitees aus Aachen, Bonn und Düsseldorf und auch stellvertretend für alle Karnevalsvereinigungen im Rheinland mit diesem Antrag einen wichtigen Grundstein für die Zukunft zu legen. Der Karneval muss zukunftsfähig sein.“ so Markus Ritterbach, Präsident des Festkomitee Kölner Karneval. „Für die Menschen im Rheinland ist der Karneval ein ganz besonderes Lebensgefühl, etwas, das zum Leben dazugehört. Der Karneval folgt dabei gewissen Regeln und ist seit Jahrhunderten im Rheinland verwurzelt.“ so Ritterbach weiter.

Hintergrund:

Die UNESCO hat im Jahr 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes verabschiedet. In Deutschland tritt das UNESCO-Übereinkommen 2013 in Kraft. Schrittweise wird nun ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten immateriellen Kulturerbes erstellt. Die Erstellung eines bundesweiten Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes ist ein mehrstufiges Verfahren, an dem die Bundesländer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche UNESCO-Kommission beteiligt sind. Die Entscheidung über die Aufnahme erfolgt im Jahr 2016. Weitere Informationen: www.unesco.de/immaterielles-kulturerbe.html